Unsere Treffpunkte sind lebendige Orte der Begegnung im Quartier. Sie werden von den Menschen vor Ort mitgestaltet und leben vom Engagement ihrer Nutzerinnen und Nutzer. Hier kommen Nachbarinnen und Nachbarn zusammen, tauschen sich aus, unterstützen sich gegenseitig und bringen eigene Ideen ein. Ob gemeinschaftliche Projekte, gegenseitige Hilfe oder einfach das Miteinander im Alltag – die Treffpunkte bieten Raum für eine aktive, solidarische Nachbarschaft, in der jede und jeder etwas beitragen kann. Auf dieser Seite möchten wir ein paar von diesen Engagierten vorstellen.
Weiterbildung und gemeinsame Entwicklung
Aus diesem Engagement heraus entstehen auch unsere Weiterbildungs- und Informationsangebote. Gemeinsam mit den Aktiven in den Treffpunkten greifen wir Themen auf, die die Menschen im Quartier bewegen. Die Veranstaltungen richten sich sowohl an Engagierte als auch an alle Interessierten und sollen dabei unterstützen, Ideen umzusetzen, Wissen zu teilen und das Zusammenleben weiterzuentwickeln.
Mögliche Themen sind zum Beispiel:
- Was bedeutet genossenschaftliches Zusammenleben im Alltag?
- Wie starten wir gemeinschaftliche Projekte wie Urban Gardening?
- Wie gründen wir ein nachbarschaftliches Reparatur-Café?
- Wie gelingt gute Zusammenarbeit in Gruppen?
- Was können wir gemeinsam für ein nachhaltiges Quartier tun?
- Wie begegnen wir Einsamkeit – generationenübergreifend?
- Wie funktioniert der digitale Alltag, etwa Online-Banking?
- Welche Möglichkeiten gibt es für gutes Wohnen im Alter?
- Und wie können wir das Thema Demenz besser verstehen?
Darüber hinaus sind viele weitere Themen denkbar. Entscheidend ist, was Sie bewegt:
Bringen Sie Ihre Ideen und Bedarfe ein – gemeinsam entwickeln wir passende Angebote.
Manfred Brause war viele Jahre bei der Polizei tätig, arbeitete dort früh mit Computern und Excel. Nach seiner Pensionierung leitete er Kurse im Treffpunkt Wilhelm-Bergner-Straße und engagierte sich im Förderausschuss der Bergedorf-Bille-Stiftung.
Sie engagieren sich seit über 15 Jahren bei uns. Wie hat Ihr Ehrenamt begonnen?
Ich war frisch pensioniert und wurde von einem ehemaligen Kollegen angesprochen: „Du kennst dich doch mit Computern ein bisschen aus.“ So habe ich angefangen, Computerkurse mit dem Schwerpunkt Excel zu geben. Im Referat Personalentwicklung der Polizei war Excel ein wichtiges Werkzeug für die Erstellung von Listen, Diagrammen, Berechnungen usw. Dieses Wissen konnte ich gut in den Kursen weitergeben. Ich habe übrigens auch privat zum Beispiel meine Lauf- und Sportprogramme alle auf Excel gemacht – heute übernehmen das die Smartwatch und das Smartphone.
Wie liefen diese Computerkurse ab?
Wir starteten in einem kleinen Raum, der bald zu voll war. Also gab es Gruppen für Anfänger und Fortgeschrittene, dienstags jeweils eine Stunde. Viele Teilnehmende blieben jahrelang dabei. Die meisten waren um die 50. Manche nutzten Excel beruflich, die meisten für den Alltag. Die Excel-Kurse waren zeitlich nicht begrenzt, aber es gab Abgänge und Neuzugänge. Eine kleine Stammgruppe ist über 15 Jahre dabeigeblieben. Während der Coronazeit haben wir unsere Treffen online weiter fortgesetzt.
Gab es besondere Rückmeldungen aus den Kursen?
Ja, sehr viele. Die Kursteilnehmenden waren dankbar – nicht nur für die Technik, sondern auch für die Gemeinschaft. Schön war, wenn jemand Hemmungen überwand und merkte: Ich kann das lernen. Für mich war es bereichernd, wenn ich helfen konnte – auch mal zu Hause, wenn jemand nicht ins WLAN kam oder der PC streikte.
Was hat Ihnen Ihr Engagement bedeutet?
Ich habe viel zurückbekommen: Kontakte, das gute Gefühl, gebraucht zu werden, und die Freude, wenn Probleme gelöst wurden. Gerade in der Pandemie waren die sozialen Kontakte wichtig.
Sie waren auch im Förderausschuss aktiv. Was reizte Sie daran?
Dort entscheidet man mit, welche Projekte unterstützt werden. Man gestaltet also aktiv, wohin die Stiftung ihre Mittel lenkt. Außerdem bekommt man einen breiten Überblick über das Engagement in den Quartieren der Bergedorf-Bille.
Wie ließ sich das Ehrenamt mit Familie und Alltag vereinbaren?
Gut. Auch auf Reisen – etwa mit den Kindern und Enkelkindern nach Dänemark – lief der Kurs einfach online weiter. Meine Frau hat mich immer unterstützt und selbst den Freiraum genossen, wenn ich beschäftigt war.
Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Einen Smartphone-Kurs im Treffpunkt. Gerade ältere Menschen haben da viele Fragen. Es wäre schön, wenn jemand so etwas anbietet.
Bille-Kleidertausch bringt Nachbar*innen zusammen
Wohin mit Kleidung, die man nicht mehr trägt, die aber zu schade zum Wegwerfen ist? Diese Frage stellte sich auch Nina Kraus, Mitglied unserer Genossenschaft. Aus ihrer Idee entstand eine Initiative mit Vorbildcharakter: der Bille-Kleidertausch.
Das Prinzip ist einfach: Wer Kleidung aussortiert hat, bringt sie mit – maximal zehn gut erhaltene Teile pro Person – und kann dafür andere Stücke mitnehmen, die jemand anders mitgebracht hat. Ganz ohne Geld und ohne Anmeldung. Die Termine finden vierteljährlich im Nachbarschaftstreffpunkt in der Wilhelm-Bergner-Straße statt. Alle sind will kommen – ob Mitglied der Genossenschaft oder nicht. Die Atmosphäre ist locker und einladend. Bei Kaffee und Kuchen ergeben sich oft nette Gespräche – manche Gäste bleiben sogar länger als geplant.
Der Kleidertausch ist nicht nur ein Ort zum Tauschen, sondern auch zum Kennenlernen, Teilen und Zusammensein. Nina Kraus hat mit ihrer Idee den Nerv der Zeit getroffen: Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung werden hier ganz praktisch gelebt. Kleidung erhält eine zweite Chance und so manch ein Stück eine neue Geschichte.
Wir freuen uns, wenn solche Initiativen in unserer Genossenschaft entstehen, wachsen und von vielen mitgetragen werden. Ein großes Dankeschön an Nina Kraus für ihr Engagement! Allen Besucher*innen wünschen wir viel Freude beim Tauschen, Klönen und Kaffee trinken.
Barbara und Hansjörg Zander, ehemals Studienrätin und Studienrat, geben gerne ihr Wissen weiter und engagieren sich seit Jahren im Treffpunkt Ladenbeker Furtweg 4.
Seit wann sind Sie im Bergedorf-Bille-Treffpunkt aktiv und wie kamen Sie dazu?
Barbara Zander: Ich habe mich immer ehrenamtlich engagiert. Zum Renteneintritt 2011 brauchte ich dann erst mal eine Pause. Aber schon bald juckte es mich wieder in den Fingern. Auf der AKTIVOLI Freiwilligen Börse wurde ich nicht fündig und auch bei der Freiwilligenagentur Bergedorf war nicht das Richtige dabei. Also habe ich mein Hobby zum Ehrenamt gemacht und mein erstes Angebot im Bergedorf-Bille-Treffpunkt initiiert. Ich kann gut Patchworken und das wollte ich auch anderen Menschen beibringen. Dabei blieb es allerdings nicht. Nach einiger Zeit habe ich auch den Plattschnackerkurs übernommen und leite seit einigen Monaten einen Stuhl-Yoga-Kurs.
Hansjörg Zander: Bei mir war das ähnlich. Ich war an meiner Schule ehrenamtlicher Vorsitzender des Personalrats, musste aber wegen einer Krebserkrankung aufhören. Nachdem es mir körperlich wieder besser ging, dachte ich mir, für die Jugend hab ich genug getan – jetzt tu ich was für die Alten. Zunächst habe ich in der Bille-Band E-Bass gespielt. Damit musste ich aber aufhören, weil ich nicht mehr schwer tragen darf. Über die Freiwilligenagentur habe ich kein passendes Engagement gefunden. Aber bei der Bergedorf-Bille-Stiftung hat es sofort geklappt! Jetzt gebe ich seit mehreren Jahren Englisch und Gehirntraining für Ältere und unterrichte Gitarre für alle Altersklassen. Für Gitarre wünsche ich mir übrigens noch mehr Teilnehmende.
Warum passt das Engagement im Treffpunkt für Sie so gut?
Hansjörg Zander: Der Nachbarschaftsraum liegt im selben Haus wie unsere Wohnung. Die räumliche Nähe ist absolut perfekt.
Barbara Zander: Ich finde es toll, dass wir uns die Zeit gut einteilen können. Unsere Kurse finden tagsüber statt. Am Abend möchten wir keine Verpflichtungen haben. Außerdem erschöpft so ein freiwilliges Engagement auch. Man hat ja nicht mehr unendlich viel Kraft.
Sie bieten beide gleich mehrere Kurse an. Was gibt Ihnen das Engagement persönlich?
Barbara Zander: Wir haben Freude daran, Wissen weiterzugeben. Das ist für uns beide sinnstiftend. Über das Engagement lerne ich interessante Menschen kennen, und dieser Kontakt bereichert mich persönlich. Ich eigne mir auch gerne selbst Neues an, z. B. Stuhlyoga. Dafür nutzen wir YouTube-Videos und spielen sie auf dem großen Monitor im Treffpunkt ab – ganz modern.
Hansjörg Zander: Ich bin froh, dass ich die Gruppen habe. Sie sind sehr harmonisch und teilen genau mit, was sie brauchen. Diese Zusammenarbeit macht einfach Spaß. Außerdem bleibt dann keine Zeit zum Grübeln, das ist auch gut.